Datum
6. Nov. 2026
Ort
Essen/Berlin
Herausgeber
OGE

Pressemitteilung

Aus dem H₂-Kernnetz lernen: Energie­politischer Dialog diskutiert Erfolgs­faktoren für den Aufbau einer CO₂-Infrastruktur

Wie gelingt der Aufbau einer CO₂-Infrastruktur in Deutschland? Und welche Lehren lassen sich aus dem Wasserstoff­hochlauf ziehen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Energie­politischen Dialogs 2026 von OGE in Berlin. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Industrie, Wirtschaft und Verbänden diskutierten darüber, wie Infra­struktur, Markt und Investitions­sicherheit künftig von Beginn an gemeinsam entwickelt werden können.

 

Unter dem Titel „Vom H₂-Kernnetz bis zur CO₂-Infrastruktur: Erfolgsmodelle für die Transformation“ hatte OGE in die Akademie der Künste am Pariser Platz eingeladen. Auf dem Podium diskutierten Dr. Thomas Hüwener, CEO von OGE, Bernhard Kluttig, Leiter der Abteilung Sicherheit, Gas und Wasserstoff, Beteiligungen im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Miguel López, CEO der thyssenkrupp AG, sowie Manuel Mohr, Hauptgeschäftsführer des Vereins Deutscher Zementwerke (VDZ). Die Moderation übernahm Marco Seiffert.

Die Diskussion machte deutlich: Beim Aufbau des H₂-Kernnetzes wurden wichtige infrastrukturelle Voraussetzungen geschaffen: Erste Leitungsabschnitte sind bereits in Betrieb, mit dem Projekt GET H2 fließt Wasserstoff von Lingen nach Marl, und rund 6 GW Transportkapazität sind im Kernnetz bereits reserviert. Gleichzeitig zeigt sich, dass Infrastruktur allein nicht ausreicht. Entscheidend für den Erfolg des Hochlaufs sind auch verlässliche politische investitionsfördernde Rahmenbedingungen, ausreichende H₂-Mengen sowie eine marktgetriebene Nachfrage. Diese Erkenntnisse gewinnen nun für den Aufbau einer CO₂-Infrastruktur ebenfalls an Bedeutung.

„Mit dem H₂-Kernnetz haben wir gezeigt, dass Deutschland große Infrastrukturprojekte für die Transformation auf den Weg bringen kann. Die vielleicht wichtigste Lehre daraus lautet: Infrastruktur, Markt und Finanzierung müssen von Anfang an zusammengedacht und synchronisiert werden. Genau diese Erfahrung sollten wir jetzt beim Aufbau einer CO₂-Infrastruktur nutzen. Nur wenn Investitionen, Nachfrage und Netzausbau zusammen­kommen, wird der Hochlauf gelingen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Industrie­standortes zu stärken und unsere Klimaziele zu erreichen“, betonte Dr. Thomas Hüwener, CEO bei OGE.

Im Mittelpunkt der Diskussion stand deshalb die Frage, welche Voraussetzungen jetzt geschaffen werden müssen, um die dritte Säule der Energiewende - Carbon Management - in Deutschland bzw. Europa erfolgreich zu etablieren. Einigkeit bestand darüber, dass insbesondere Industrien wie Zement, Kalk oder Stahl langfristig auf Lösungen für unvermeidbare CO₂-Emissionen angewiesen sind. Dafür braucht es neben den notwendigen Transportinfrastrukturen auch Investitionssicherheit und tragfähige Marktmechanismen. „Der Aufbau einer CO₂-Infrastruktur in Deutschland ist entscheidend für die Dekarbonisierung der Zementindustrie und weiterer Sektoren“ ergänzte Manuel Mohr, Hauptgeschäftsführer Verein Deutscher Zementwerke e.V. (VDZ). Und weiter: „Für Investitionen in die CO₂-Abscheidung bedarf es aber eines Marktrahmens, der einen ‚Business Case‘ für CCS-Projekte ermöglicht. Klar ist: Ohne finanzielle Förderung, staatliches De-Risking und die Aussicht auf eine Nachfrage nach dekarbonisierten Produkten wird der Hochlauf nicht gelingen.“

Außerdem sei der Aufbau einer eigenen wettbewerbsfähigen Wasserstoffwirtschaft entscheidend, um die Dekarbonisierung der Industrie voranzutreiben und die Energie­sicherheit und Resilienz in Europa zu stärken, so thyssenkrupp-CEO Miguel López. „Für nachhaltiges Wirtschafts­wachstum brauchen wir einen verlässlichen regulatorischen Rahmen zur Incentivierung von mehr Nachfrage, wettbewerbsfähige Energiekosten, einen beschleunigten Infrastrukturausbau und eine faire Risikoverteilung entlang der Wertschöpfungs­kette. Als thyssenkrupp gehen wir bei diesen Herausforderungen voran: Um verlässliche Europäische Allianzen zwischen Politik und Unternehmen zu schaffen, haben wir gemeinsam mit 13 anderen CEOs europäischer Unternehmen entlang der Wasserstoff­wertschöpfungs­kette (u.a. OGE) im April die „European Resilience Alliance“ gegründet. Gemeinsam arbeiten wir an einer verlässlichen Nachfrage bei gleichzeitiger Beschleunigung des grenzüberschreitenden Netzausbaus.“

Bernhard Kluttig, Leiter der Abteilung Sicherheit, Gas und Wasserstoff, Beteiligungen im BMWE ergänzt: „Deutschland hat beim Wasserstoff­hochlauf wichtige Grundlagen gelegt. Jetzt kommt es darauf an, den realistischen Aufbau des Wasserstoff­marktes entschlossen weiter voranzutreiben. Hierzu hat das Bundes­wirtschafts­ministerium im Oktober das Maßnahmenpaket „Wasserstoff für Resilienz und Zukunftsfähigkeit Deutschlands: Zehn Impulse für den Markthochlauf“ vorgelegt. Gleichzeitig müssen wir die Voraussetzungen für den Hochlauf der CO₂-Infrastruktur in Deutschland schaffen. Das BMWE wird dazu einen Aktionsplan Carbon Management erarbeiten. Investitions­sicherheit und Tempo bleiben dabei entscheidende Faktoren.“

Neben dem Aufbau neuer Märkte spielte auch die Frage der Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit eine zentrale Rolle. Die Diskussions­teilnehmer betonten, dass H₂ - und CO₂-Infrastrukturen künftig wichtige Bausteine eines resilienten Industrie­standorts Deutschland sein werden. Dafür seien verlässliche regulatorische Rahmen­bedingungen notwendig, die private Investitionen ermöglichen und den Hochlauf neuer Märkte unterstützen.

Der Energiepolitische Dialog hat erneut gezeigt: Die Transformation gelingt nur, wenn Infrastruktur, Industrie, Politik und Finanzierung Hand in Hand arbeiten. Die Erfahrungen aus dem Wasserstoff­hochlauf können dabei helfen, den Aufbau einer CO₂-Infrastruktur schneller, effizienter und investitionssicherer zu gestalten. Genau darin lag die zentrale Botschaft des diesjährigen Dialogs in Berlin.

Bernhard Kluttig, Leiter der Abteilung Sicherheit, Gas und  Wasserstoff, Beteiligungen im BMWE, Manuel Mohr, Hauptge-  schäftsführer Verein Deutscher Zementwerke e.V. (VDZ), Dr.  Thomas Hüwener, CEO von OGE und Miguel López, CEO der  thyssenkrupp AG

Diskutierten über die Transformation der Energie-Infrastruktur (v. l. n. r.): Bernhard Kluttig, Leiter der Abteilung Sicherheit, Gas und Wasserstoff, Beteiligungen im BMWE, Manuel Mohr, Hauptgeschäftsführer Verein Deutscher Zementwerke e.V. (VDZ), Dr. Thomas Hüwener, CEO von OGE und Miguel López, CEO der thyssenkrupp AG.